einige Gedichte - seit 2011...

 

 

Haiku

 

die Espe steht still

deine Worte sind hörbar

wie Steinschlag

 In: Leichte Fracht. Haiku-Jahrbuch 2017. Hrsg. Volker Friebel. Edition Blaue Felder. 2018.

 

 

 

Aufgabe

 

du kamst mir nah wie Wind

Blutwirbel im Strom der Nacht

zerrissen die Schleier

der nackte Traum

Blatt für Blatt

Worte umschlangen uns

ein Lied entwarf sich im Echo

wie eine Aufgabe

 In: "feder-liebe" - Literaturautomat. Düsseldorf u.a. 2018.

 

 

 

Paul Klee II

 

wie sich Übergänge ankündigen

schwarze Linien sagen

Clown, Unfall, Boot

schauen uns an

Fragezeichen

Fragen gezeichnet

wie Sterne

sie leuchten

uralt

 In: Der Maulkorb - Blätter für Literatur und Kunst #22. 2017.

 

 

 

Haiku

 

morgens im Herbstlicht
im kristallklaren Farbspiel
das Schwarz der Krähe

  In: Haiku-Agenda 2018. Deutsche Haiku-Gesellschaft (Hrsg.). 2017.

 

 

 

Tannenduft

 

ein Tannensamen verströmt

seinen verwirrenden Duft

zwischen Zitrus und Harz

bin ich weit gereist

die magische Wucht

verwandelt mich

ich staune mit Kinderaugen

unsicher des Weges

der Wald umfasst mich

wie ein Schoß

ich liege auf Moos

warte auf meine Geburt

 In: Poesiealbum neu. Steinbrech. Gedichte zu Pflanzen. edition kunst & dichtung. Leipzig. 2017.

 

 

 

 

wir sind uns passiert

fanden Flammen und Flut

 

die Asche streuten wir in die Ferne
weinten uns warm mit anderen


die Brandmale berühre ich
manchmal mit meinem Lächeln

 In: keinVerlag.de -  das forum für dichter und autoren...2017.

 

 

 

geflohen

 

ein abgebrochenes stück land

ich kauere blausteinern

möwen schreien landeinwärts

 

schmerz geht durch sand

muschelsplitter schimmern

ich weite das meer

 

treibholz strandet

die haut greift mich fester

schiffsrufe künden von nichts

 In: Trümmerseele. Dichter für Flüchtlinge. Hrsg. Stephanie Mattner. SternenBlick. 2015.

 

 

 

der kristall

 

der kristall

der schneeflocke bleibt

und der mut des fallens

 

das grün

des wirren grases bleibt

und die hoffnung auf löwenmäulchen

 

mein gang

ist schwer

die zeit ist geröll

 

eine amsel

sucht beeren unter schnee

wie ich meine ränder

 

blicke stürzen

worte berühren

irgendwo erde

 Gelesen beim Lyrik-Wettbewerb "zeilen.lauf" 2013 in Baden bei Wien.

  In: Sammelband der Preisträger. Kral-Verlag. 2013.

 

 

 

 

vier glieder des ameisenkörpers

entziehen sich ruckartig

meinen fragen

in den wortlosen grünvariationen

 

lass mich nur einen deiner bügelfaltenhalme

lange genug anträumen

die sich in luft auflösende

spitze verfolgen wieder und wieder

 

mit zusammengepressten lippen

die genauigkeit mimen

sechs beine biegen den halm

versetzen licht und schatten

 In: 500 Gramm - Journal für Literatur und Graphik #6. 2012.

 

 

 

Das Rosenblatt

 

Das Rosenblatt

liegt

auf dem Grund

des Meeres.

Rosenduft

entströmt

deinen Augen.

Rot sind

Deine Adern

aus Wassern,

still,

tobend.

Seine Zartheit

wird hörbar.

Und

Deine Tat

wird es tragen

in ihrer Hand.

 In der Anthologie: Neue Literatur Frühjahr 2011. A.v.Goethe Literaturverlag. 2011.

 (c) Jutta v. Ochsenstein